Bodo Rahn

Diese Seite ist meinem alten Freund Bodo überlassen, der in den Archiven bedeutender Persönlichkeiten forscht, und deren Nachlass nicht vergessen werden darf.
– Hierzu meine beste Empfehlung.

Georg Denninger


Beitrag Nr. 14 / 6.1.2019 Dreikönigstag

Jaron Lanier

Wenn mich jemand vor drei Wochen gefragt hätte: schon gehört den Namen? Ich hätte zurückgefragt: „Wer soll das sein?“  Da ich für meine Freunde schreibe und für jene Menschen, denen es ähnlich geht wie mir, will ich kurz mitteilen, um wen es sich handelt.

Jaron Lanier erhielt 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels . Diese Tatsache ist allein noch nicht aufregend genug, um sich für diesen Mann zu interessieren, oder? Außerdem sind seitdem schon 4 1/2 Jahre  vergangen.

Dass er Informatiker, Schriftsteller und Musiker ist in einer Person, mag vielleicht neugierig machen. Aber um es kurz zu machen: Wenn mein Orthopäde Dr. K. mir den Namen nicht genannt hätte, dazu den Titel „Wem gehört die Zukunft“, wer weiß,  ob ich dann das folgende kleine Buch – 2. Auflage 2018 – aus dem Hoffmann und Campe Verlag (Hamburg) schon entdeckt hätte.

An den vielen Lesezeichen kann man unschwer erkennen, dass ich mir viele Seiten merken wollte. Davon schreibe ich später.

LINK:

https://www.deutschlandfunk.de/jaron-lanier-vordenker-und-kritiker-von-internetkonzernen.807.de.html?dram:article_id=299850

 

Beitrag Nr. 13 / 11.5.2018     Gedenktag (Robert Jungk *11.5.1913)

Aggressive Reden

Fotos: AP, dpa, Rasit Aydogan/Anadolu, ABIR

Nach dem Grundsatz „Jeder kehre vor seiner Haustür“ will ich jetzt nicht von Trump oder Putin sprechen, nicht von Erdoğan oder Netanjahu, nicht von den Mächtigen.

Der Freiburger Zoologe Professor Dr. Bernhard Hassenstein [1] hat sich einem Urphänomen gewidmet, das wir alle schon oft erlebt haben, mehr noch: das wir dauernd wieder erleben.  Menschen lassen sich durch Worte beeinflussen.

Wie? Folgende fünf Möglichkeiten könnten uns nach einigem Nachdenken einfallen :

Überzeugen (durch einleuchtende Gründe oder Beweise bewirken, etwas als wahr, richtig oder notwendig anzuerkennen)

Überreden (durch eindringliches Reden bewirken, etwas tun, was man eigentlich nicht will)

Verführen  (verleiten, ködern, reizen, anstiften etwas Unkluges oder Unerlaubtes zu tun)

Überrumpeln (mit etwas überraschen, auf das man nicht vorbereitet ist, dem man nicht ausweichen kann)

Bedrohen oder Erpressen (in eine Gefahrenlage bringen, unter Druck setzen, zwingen, terrorisieren)

Eine weitere (sechste) Möglichkeit bringt noch eine Besonderheit mit sich

Verbal aggressiv sein (durch Worte angreifen, verletzen, beleidigen, demütigen)

Zur Zeit scheinen aggressive Reden und Bemerkungen (vgl. Twitter-Kommentare) sich epidemieartig auszubreiten. Was ist das Besondere an den aggressiven Äußerungen? Sie haben eine solidarisierende Wirkung. Der o.a. Verhaltenswissenschaftler spricht davon, dass es eine naturhafte Bereitschaft im Menschen gibt, sich für bedrohte Angehörige der eigenen Gruppe ohne Besinnung einzusetzen, ja, zu kämpfen.

Aggressive Worte mobilisieren und manipulieren uns, ohne dass wir es sofort merken.

„Ist eine Menschenmenge auf einen aggressiven Redner eingestimmt, so werden Beifall und ihre Solidarisierung umso heftiger, je verletzender und maßloser seine Angriffe werden. Das Wechselspiel zwischen Agitator  und Menschenmenge kann zu einer fortlaufenden Verstärkung seiner Aggression führen.“  Je populistischer (volksnäher) der Redner sich gebärdet, umso erfolgreicher ist er.

Und was ist mit denen, die angegriffen werden? Sie erleben ebenfalls einen automatischen Verstärkereffekt, und zwar umso mehr, je bedrängter die Situation der Angegriffenen ist oder empfunden wird. „Die Angst, also die Tendenz,  die Gefahr loszuwerden, schlägt in die Situation der Ausweglosigkeit um.“

So kommt es zum Mut der Verzweiflung, zur Eskalation, zur Radikalisierung. Hajo Funke (Politikwissenschaftler)  spricht davon, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die polarisieren wollen bis zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. [2]

Folge: Die seelische Landschaft unserer Menschen-Gemeinschaft (das Heimatgefühl) verändert sich.  Das Vertrauen in stabile Verhältnisse geht verloren. Die Bereitschaft wächst für manche Wutbürger, gewalttätige Mittel einzusetzen. Erleben wir das nicht Tag für Tag?

Wie wär’s, wenn wir uns z.B. einmal kurz mit einem Musiker beschäftigen? Er trägt den Spitznamen: Kollegah. Das klingt wie Kamerad. Der 33jährige Rapper macht mit seinen Aggressionen große Geld-Geschäfte und hat enormen Einfluss auf jugendliche Anhänger. [3]  Muss das so bleiben? Nein, muss es nicht.

 

 


 

 

 

 

Quellen

[1]  Stuttgarter Zeitung vom 28.11.1970 und http://bernhard-hassenstein.de/literatur_online/Freund-Feind-Denken

[2]  https://www.tagesspiegel.de/kultur/studie-ueber-deutschlands-rechte-szene-im-resonanzraum-des-rechtenrandes/19410628.html

[3]  https://rp-online.de/kultur/die-welt-des-kollegah_aid-22531873

 

 

Beitrag Nr. 12 / 25.1.2018

 Sei nicht zu feige, Angst zu haben

Quelle:   Günther Anders, Gebote des Atomzeitalters, in:   Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 13.7.1957

Dazu meine Meinung.

Das Jahr 2018 liegt vor uns. Wir investieren – das vor allem – in unsere Erwartungen und Hoffnungen. Was aber würden Sie sagen, wenn man plötzlich vom Weltuntergang  spräche?  Gehe ich fehl in der Annahme, dass Sie (liebe Leserin, lieber Leser) meine Frage für albern halten?

Von Kriegen hören wir dauernd, von Waffenkäufen und Terroranschlägen nicht weniger. Aber unser Leben geht weiter. Ach ja, fast hätte ich es vergessen:  Klimakatastrophen gibt es auch und sie sollen sogar noch schlimmer werden. Aber was soll’s? Haben wir (kleinen Leute) darauf entscheidenden Einfluss?  Bestimmt nicht, oder? Und auch  daran haben wir uns gewöhnt, dass Milliardäre wie z.B. Donald Trump nicht daran glauben.  Also warum sollten wir Habenichtse es dann tun?

Weltuntergang? Nein, danke. Wer beschäftigt sich denn damit? Kaum zu glauben: es gibt Leute, die sich ernsthaft  mit dem Thema „Weltuntergang“ beschäftigen. Das sind bestimmt irgendwelche Spinner oder Sektenanhänger.  Die gibt es ja.  Aber die meine ich gar nicht.   Wen dann?

Bitte sehr.  Ich habe heute per Zufall die folgende aktuelle Online-Meldung entdeckt.

LINK

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/doomsday-clock-atom-wissenschaftler-stellen-uhr-zum-weltuntergang-vor-a-1189831.html

 

Beitrag Nr. 11 / 11.5.2017

„Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“

In meiner Kinderheit spielten wir ein Fang- und Laufspiel, das man jederzeit spielen konnte, wenn einem nichts anderes einfiel. Es hieß: „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ Auf  die Antwort „Niemand“ rannte der „Schwarze Mann“ hinter allen Kameraden her und wen er berühren konnte, war angesteckt, war nun auch ein „Scharzer Mann“ und durfte mitjagen, bis nur einer übrig blieb, der seinen Verfolgern am geschicktesten ausgewichen war. Dieser letzte  wurde zum neuen ersten Jäger für die nächste Spielrunde .

Warum erzähle ich das? Mir scheint, dass in unserem Land (aber auch weltweit) Angstspiele gespielt werden, und zwar von Berufspolitikern (natürlich nicht alle), von Wirtschaftspropheten (natürlich nicht alle),  besonders aber von Demagogen (heute nennt man sie „Populisten“).  Besonders auffällig sind solche öffentlichen Kommentatoren und Meinungsmacher, die extreme Vorstellungen unter die Leute bringen, die den einzelnen Bürger verunsichern, die ihm soviel Angst machen, dass er das Angstspiel aufgreift, weiter verbreitet und andere verunsichert.

Nun müssen wir uns fragen, ob Angst=Angst ist. Ob wir vielleicht von verschiedenen (Angst-)Farben sprechen müssen. Ob Angstgefühle etwas Gemeinsames haben. Oder ob es eine „Angst“ gibt, die man besser mit Furcht benennt.

Das Fangspiel aus meiner Kindheit (s.o.) ist genau besehen ein Spiel, das mit dem Satz „Wer fürchtet sich vorm ,Schwarzen Mann‘?“ den Gefühlszustand angemessener beschreibt. Die Gefahr geht vom „Schwarzen Mann“ aus. Also muss man vor ihm weglaufen, um sich zu retten.  Soweit, so klar.

Wenn man aber wie eine „blinde Kuh“, ein Binde vor den Augen hat, fühlt man sich in seiner Wahrnehmung eingeengt, hat angst, dass etwas Unangenehmes passieren könnte. Man bleibt in ständiger Anspannung und kann sich nicht wehren. Der Ursprung der Angst bleibt im Dunkeln.

Noch einmal kurz auf den Unterschied zurückgeblickt: Die rote Ampel an einer Straßenkreuzung schürt keine Angst, sie macht nur auf eine Gefahr aufmerksam, erinnert sozusagen an das Risiko, das man eingeht, wenn man die Warnung nicht beachtet.

Anders die Angst der professionellen Angstmacher. Sie behaupten Dinge, die uns in Unruhe (möglichst in eine Dauererregung) versetzen. Sie erzielen ihre Wirkung vor allem dadurch, dass wir nicht unmittelbar auf sie reagieren können.  Wir erwarten eine Gefahr, die wir aber nicht näher bestimmen können, also eine unbestimmte Gefahr!  Und folgen dann denen, die angeblich wissen, wie man sie besiegt.

Komplizierter wird es, wenn eine reale Gefahr geleugnet wir. Wer – wie z.B.  die Klimaforscher – darauf hinweist, was wir tun müssen, um unsere Lebensbedingungen für die nächsten Generationen zu erhalten – wenn derjenige, der auf eine drohende und erkennbare Gefahr hinweist,  zum Gegner und Panikmacher abgestempelt wird, dann verlieren wir nicht etwa die Angst (sie ist unterschwellig immer da). Nein, wir tun dann nichts Vernünftiges, um der Gefahr zu entgehen, sondern lassen uns von den Verharmlosern der Gefahr in eine Sackgasse drängen.

Wenn diese Taktik zu spät erkannt wird, dann ist es auch zur Umkehr zu spät. Wenn die US-Amerikaner einst begreifen werden, welche Gefahren ihr Präsident tatsächlich verleugnet hat,  müssen sie ausbaden, was er ihnen eingebrockt hat, ihn selbst wird man vermutlich nicht mehr zu Rechenschaft ziehen können. Und ein Bekenntnis derer, die ihn jubelnd ins Amt gewählt haben, sich geirrt zu haben, wird nichts mehr nützen.

Warum ich das behaupten kann? Weil  hinter uns eine lehrreiche Zeit liegt, jene Zeit zwischen 1933 und 1945.   Gibt es eine Epoche, die besser erforscht worden ist als die 12jährige nationalsozialistische Herrschaft? Ein größenwahnsinniger Mensch  hat ein Zerstörungswerk hinterlassen,  dessen unsägliche Folgen wir heutigen Weltbürger  noch längst nicht in allen Dimensionen begriffen haben.  Hitler ist legal gewählt worden. Trump ist legal gewählt worden.  Wahlen sind noch keine Garantie für die Demokratie und eine gute Zukunftsentwicklung. Wenn die Machtkontrolle verloren geht, ist alles verloren. Seltsam, dass wieder und wieder Menschen gewählt werden, die sich und ihre Entscheidungen nicht mehr kontrollieren lassen wollen.  Das sind jene, die das Angstspiel beherrschen.

Eine einfache Möglichkeit, den Angstspielern ein Schnippchen zu schlagen, ist  nach solchen Zeugen zu suchen, die ihr Leben lang Hinweise auf reale Gefahren gegeben haben. Sie sind mir die glaubwürdigsten Helfer bei der Suche nach Wegen aus der Gefahr! Einer dieser Zeugen ist Robert Jungk.

Robert Jungk, der Menschenfreund 

* 11.5.1913 in Berlin
† 14.7.1994 in Salzburg

 

Beitrag Nr. 10 /  16.4.2017   » Z u m  O s t e r s o n n t a g «    

In der Südwest Presse fiel mir am 13.4.2017 die folgende Schlagzeile auf:

Ostermärsche:  Wen bewegt der Frieden noch?

 

Vielleicht kann uns ein Rückblick in unsere jüngste Vergangenheit zu neuer Bewegung ermutigen.

1983  waren es viele, die in Baden-Württemberg  gegen die sog. Nachrüstung mit  amerikanischen Atom-Raketen (Typ: Pershing II) demonstrierten. Besonders eindrücklich war eine Menschenkette. Beginnend in Stuttgart, erreichte sie bis Neu-Ulm (in Bayern) eine Gesamtlänge von 108 km.

Vier Jahre später – Michael Gorbatschow war damals Staats- und Parteichef der Sowjetunion – einigten sich NATO und Warschauer Pakt auf den Abzug ihrer Mittelstrecken-Raketen, die sich in Ost- und Westdeutschland gegenüber gestanden hatten. Wow!

Trotzdem 
Zwei Zitate

Günther Anders

”Ob wir Heutigen und Morgigen imstande sein werden, uns überhaupt durchzubringen, das ist ungewiß. Wir sind ja bereits soweit, das nicht unser Verschwinden ein Wunder sein würde, sondern unser Fortbestand, und zwar ein miraculum perpetuum ..."

Quelle: Der Mann auf der Brücke. Tagebuch aus Hiroshima und Nagasaki. München: 1959 (C.H.Beck), S9.

Robert Jungk

"Wenn ich einmal deprimiert bin und mich frage, ob das, was ich schreibe überhaupt eine Wirkung hat, tröste ich mich damit, daß Ivan Illich° mir erzählt hat, wie sehr mein 1952 erschienenes Buch ›Die Zukunft hat schon begonnen‹, sein weiteres Leben beeinflußt habe. Er war zu Beginn der fünfziger Jahre nach den USA ausgewandert und fand in meinem kritischen Bericht über den neuen technologischen Totalitarismus, der die amerikanische Demokratie bedrohte, seine eigenen Eindrücke bestätigt [...] Als ich ihn einmal fragte, ob er denn den Titel eines seiner Bücher ›Schafft die Schule ab!‹, wirklich ernst nehme, antwortete er [...] Der ›Lärm‹ der zahllosen Mitteilungen, die unaufhörlich auf uns einprasseln, ist so laut, daß man schreien muß, um gehört zu werden."
Quelle: Mein Lesebuch. Frankfurt: 1988 (Fischer), S. 39
________________________________________________ ° (1926-2002)Philosoph, katholischer Priester, Autor, schrieb das Buch: Schulen helfen nicht. Über das mythenbildende Ritual der Industriegesellschaft. Reinbek: 1972 (Rowohlt).

 

Beitrag Nr. 9 / 31.3.2017

Zum Beispiel: Bienen.  Am Montag, den 27.3.2017  wurde in 3sat ein Dokumentarfilm gezeigt, der 2012 erstmals in die Kinos kam.  Die Wiederholung  war notwendig.

Der Titel: „More than Honey – Bitterer Honig“.

Wer den Film gesehen hat, versteht besser, was gegenwärtig überall auf der Welt geschieht. Wenn die Devise lautet „alles ist (technisch) machbar“, dann ist es nicht schlimm, wenn Natur oder Lebensraum zerstört wird, Tiere und Pflanzen aussterben. Oder wenn „making money“ stetig nach „more money“ verlangt, dann  verengt sich der Horizont und national-sozialistische Visionen können wieder attraktiv werden. Dafür gibt es leider schon zu viele aktuelle Beispiele.

Deswegen ist der „Aufstand gegen das Unerträgliche“ – Robert Jungk  sprach 1983  von  „Menschenbeben“  –  eine Bewegung,  über die wir uns gar nicht mehr wundern müssen. Sie entsteht fast zwangsläufig und meldet sich sehr unterschiedlich zu Wort.

Markus Imhof, der Regisseur des Films,  sagt: „Ein Drittel von dem, was wir essen, gäbe es nicht ohne Bienen.“   4 Minuten Vorschau zum kürzlich (wieder) gesendeten Film „More than honey“ könnten fast ausreichen, wie ich hoffe,   neue Mitglieder für die Umweltschützer zu gewinnen. Was meinen Sie?

 

LINKS

https://www.zdf.de/sender/zdfneo/more-than-honey—bitterer-honig-100.html

https://www.zdf.de/gesellschaft/sonntags/mehr-als-honig-bienen-in-gefahr-und-imker-im-einsatz-100.html

Beitrag Nr. 8 /30.3.2017

Der Beginn des Überlebens?

Was der Häuptling Seattle einst [1854] gesagt haben soll, davon gibt es keine Audio-Aufnahme. Solche technischen Hilfsmittel gab es noch nicht, wie wir alle wissen.  Was uns überliefert ist, ist umstritten. Es gibt mehrere Versionen seiner Antwort an die amerikanische Regierung, die Indianer-Land kaufen wollte.

Was wir aber wohl glauben dürfen, ist der Eindruck, den diese Rede auf einen Zeitzeugen der damaligen Zeit gemacht hat.

Hier ein Auszug aus der Rede, wie sie von GREENPEACE verbreitet wurde: „Sterbend glänzt Ihr mit Pracht, eifrig durch die Macht Gottes, der Euch auf diese Erde erschaffen hat und der den seltsamen Plan hatte, Euch gegenüber der Erde und dem  Roten Mann dominieren zu lassen.

Dieses Schicksal ist ein Mysterium für uns; denn wir verstehen es nicht, warum  […] die versteckten Plätze des Waldes mit den Gerüchen der Menschen belastet werden […]
Wo ist denn das Gestrüpp?
Verschwunden!
Wo ist denn der Adler geblieben?
Verschwunden!
Wo das Leben aufhört, beginnt das Überleben.“

Eine aktuelle Nachricht – „von gestern“?

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/ab-heute-macht-die-welt-oeko-schulden-13592593.html

Trotzdem
Auch wenn Donald Trump der Weltöffentlichkeit seine Inkompetanz demonstriert und mit seinen Dekreten böse Ahnungen wachruft, versuchen wir uns zu fragen, ob wir selbst schon genug umgedacht haben.

Robert Jungk schrieb einst einen offenen "Brief an einen [Ingenieur), der an der Zukunft verzweifeln möchte" [Quelle: Die Zukunft hat schon begonnen, 1957, S. 319)
Für unser industrielles Zeitalter müsse sich ein neues Berufethos entwickeln.  Es gäbe Anzeichen dafür, nicht mehr nur zu fragen: "Was produziere ich? oder "Wieviel produziere ich?" sondern "Wozu produziere ich?" oder "Für wen produziere ich?" und schließlich: "Welche Wirkung hat meine Arbeit? Ist sie gut? Ist sie böse?"

 

 

 

Beitrag Nr. 7 / 7.2.2017

„Die Zukunft hat schon begonnen“ – wie ich Robert Jungk kennen lernte.

Das Buch, dessen Titel zum „geflügelten Wort“ wurde, kam erstmals 1952 auf den deutschen Markt bei Scherz & Goverts in Stuttgart. Spätere Auflagen erschienen bei Rowohlt,  2016(!) eine Neuauflage.  Sein Untertitel über „Amerikas Allmacht und Ohnmacht“ scheint aktueller denn je.

 

Ich besuchte die Untersekunda des Julius-Stursberg-Gymnasiums in Neukirchen-Vluyn (NRW). In den Augustferien 1955 las ich „Die Zukunft hat schon begonnen“ von Robert Jungk. Das Buch hatte mir meine Deutsch-Lehrerin Ingeborg van Alst geschickt.  Sie erlaubte mir,  den Titel  als Referat meinen Klassenkameraden vorzustellen. 

Ich hielt also mein Referat, für das eine Schulstunde vorgesehen war. Weil ich besonders interessante Stellen vorlas, war ich bis zum Klingelzeichen nicht fertig geworden und zur Diskussion war es auch nicht gekommen. Plötzlich stand Studienrat Rudolf Beyer, unser Lateinlehrer,  in der Tür. „Schimi“ – so der Spitzname unserer Deutschlehrerin – verließ mit ihrem Kollegen das Klassenzimmer. Nach einigen Minuten kam sie allein zurück. Ich durfte – ausnahmsweise! – mein Referat über die Pause hinaus ausdehnen und sogar eine weitere Stunde für die Diskussion anhängen.  Die Klassenkameraden – keine Latein-Fans – waren einverstanden. Thilo, der während des Unterrichts Kriminalromane las, gestand mir nach Schulschluss: „Du, dein Vortrag war so spannend,  dass ich sogar meinen Krimi vergessen habe.“

Mein Interesse am Autor war geweckt: Ich las alle seine Aufsätze und Kommentare,  die mir in die Hände fielen. Das waren zunächst Reportagen in der Züricher „Weltwoche“,  eine Wochenzeitung, die mein Vater regelmäßig las. Plötzlich entdeckte ich den Namen Robert Jungk  auch in anderen Zeitschriften: in der Neuen Ruhrzeitung [NRZ] ,  in der „Rheinischen Post“ [RP], in der Hamburger  „ZEIT“, in der Münchener „KULTUR“.

Im Mai 1958 fand ich im RADIUS, einer Vierteljahresschrift,  die Ankündigung für den Deutschen Evangelischen Akademikertag in Düsseldorf. Auf dem Programm stand ein Vortrag von Robert Jungk. Thema: „Die errechnete Zukunft und der unberechenbare Mensch“.   Ich konnte Elisabeth Schlipköter – Fachlehrerin für Englisch und Französisch an meiner Schule – gewinnen,  mit mir von Moers nach Düsseldorf zu fahren. Das ging damals per Straßenbahn. Wir schlenderten durch die Straßen. Meine Lehrerin interessierte sich für Teppiche und machte mich auf besondere Muster aufmerksam. Ich aber fiberte in meinem Innern dem Vortrag entgegen.

Schließlich war es soweit. In einem weiten Saal des Düsseldorfer Planetariums, wo 1000 Leute sitzen konnten,  fanden wir im ersten Drittel des Raumes unsere Plätze.  Auf dem Podium stand ein Pult, hinter dem der Redner fast verschwand.  Robert Jungk berichtete von seiner Hiroshima-Reise. Er hatte mit „Hibakushas“ sprechen können [Atombombenopfer und Überlebende der Explosion]. Nach dem Vortrag, als man Fragen stellen konnte, ließ er Zettel verteilen. Helfer gingen durch die Reihen, teilten sie aus und sammelten sie kurze Zeit danach wieder ein. Weil sich überraschend viele Zuhörer ermutigen ließen, Fragen und Stichworte schriftlich zu notieren, mussten die Zettel zu Themenkomplexen gebündelt werden, auf die Robert Jungk dann in seinen Antworten einging. Wir waren  beeindruckt davon, wie ernst er sein Publikum nahm, aber mehr noch von seiner Überzeugungskraft.

1959 erschien dann sein Hiroshima-Buch „Strahlen aus der Asche“ auf dem Markt [s. u. Blog-Beitrag  Nr. 1 / 13.1.2017]. Das Buch war ein Beitrag zu einer Bewegung, die damals „Kampf dem Atomtod“ hieß und später durch jährlich wiederkehrende Ostermärsche für Aufsehen sorgte. Robert Jungk trat dort als Redner auf. Kein Wunder, dass ich mich für ihn engagierte. Ich traf ihn später noch öfter an verschiedenen Orten, wurde 1968 für kurze Zeit sein Mitarbeiter beim Aufbau einer „Bibliothek für Zukunftsfragen“ in Berlin. Seine Glaubwürdigkeit, sein Eintreten für „Zukunftswerkstätten“ einer Bürgerbewegung,  die den technokratischen Lösungen der Mächtigen zu widersprechen wagen, sein „Projekt Ermutigung“ gegen die Resignation machten ihn zu einem Pionier und Vorläufer der „grünen Bewegung“.

 Bodo Rahn

 


Beitrag Nr. 6 / 4.2.2017

Ein LINK zum Lachen –

falls einem das Lachen nicht im Halse stecken bleibt.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/donald-trump-menschen-sind-zu-dumm-fuer-waffen-kolumne-a-1132905.html

Gefunden in:  LITERATUR-SPIEGEL, Februar 2017, S. 1

 

Zwei Anmerkungen
1. Wenn wir den journalistischen Blickfang einer Schlagzeile unberücksichtigt lassen, können wir über seine Aussage nachdenken. Tobias Becker, Autor eines Aufsatzes über Prognosen,  gibt in seinem Text eine Erklärung, indem er die Schlagzeile in schlichteren Worten wiederholt: "Bislang ist es noch nicht zum Weltuntergang gekommen, jahrtausendelangen Unkenrufen zum Trotz. Oder den Unkenrufen zum Dank?"  Dann ironisiert er die Idee der Apokalypse "als schwarze Pädagogik des Christentums" nach dem Muster "selten so gelacht"!
2. Im Buch "Die Antiquiertheit des Menschen" (München: 1956) von Günther Anders habe ich einen hilfreichen Satz gefunden. Er schreibt: "Notstände sind nur abschaffbar, nicht widerlegbar." (S. 323)

Mein Fazit 
Die Zerstörung unserer Welt übersteigt die Vorstellungskraft des Menschen. Unsere Ängste vor dem Untergang könnte man Bonsai-Ängste nennen. Sie können die wahre Bedrohung z.B. eines Atomkriegs nicht angemessen widerspiegeln. Trotzdem ist es wichtig, sie ernst zu nehmen. Dem Autor Becker fällt es nicht schwer, sich über uns, seine Zeitgenossen, lustig zu machen. Er kann sich als Rechthaber aufspielen. Sein Nihilismus ist unwiderlegbar. Also, haben wir den Mut, uns zu unserer Angst zu bekennen!

Beitrag Nr. 5 / 31.1.2017

Gefunden in: Die Stimme der Gemeinde, Heft 4 (15.2.1959),  S. 122

Entwurf einer Europäischen Charta

Vorgelegt von Robert Jungk auf dem Europäischen Kongress gegen Atomrüstung (16.-18.1.1959) in  London

Präambel:

Wir Europäer, aus deren Kontinent die Pioniere der Atomforschung hervorgegangen sind, wollen uns zu einigen Grundsätzen unseres Handelns bekennen, die geeignet sein könnten, die heute noch ungezügelten „neuen Kräfte“ des atomaren Zeitalters zu bändigen.

Wir sind entschlossen, die drohenden Entwicklungen, die sich aus der auf immer neue Länder übergreifenden nuklearen Aufrüstung ergeben, rechtzeitig zu erkennen und, so weit es in unserer Macht steht, zu verhindern, dass diese Entwicklung andauere, denn wir hoffen auf eine helle Welt, aus der Furcht und Not verbannt sein werden.

1.  Ehrfurcht vor dem Leben

Wir bekennen uns zu dem von Albert Schweitzer geprägten Grundsatz „Ehrfurcht vor dem Leben“.

Deshalb müssen wir die atomaren Massenvernichtungsmittel aller Kaliber, deren Einsatz nicht nur gegenwärtig, sondern auch künftiges Leben unwiderruflich zerstören würde, als Intrument jeder Politik ablehnen, und zwar auch dann, wenn diese Politik moralisch oder rechtlich gerechtfertigt werden könnte.

2. Information und Erziehung

Wir bekennen uns zu einer verstärkten Information und Erziehung der Öffentlichkeit in bezug auf alle Tatsachen und Probleme der sich immer rascher entwickelnden wissenschaftlich-technischen Revolution.

Deshalb kämpfen wir gegen Geheimhaltung, Verschleierung und Verharmlosung der Gefahren, die sich aus diesem neuen Stand der Dinge ergeben, befürworten aber ebensosehr eine nüchterne Überprüfung aller sich aus diesem Umschwung ergebenden Möglichkeiten einer materiellen Besserung der menschlichen Lebensbedingungen.

3. Verantwortung

Wir bekennen uns zu einer erhöhten Verantwortung, die jedem einzelnen von uns im Zeitalter der Technik mit ihren erhöhten Möglichkeiten der Machtausübung und der aus ihr rührenden immer engeren Verflechtung aller wirtschaftlichen Tätigkeit zufällt.

Deshalb werden wir uns dem blinden Einsatz technischer Machtmittel ebenso entgegesetzen wie der zeitfremden Unterbindung friedlichen Wirtschaftsaustausches. Wir treten für allmählichen Rüstungsabbau bei gleichzeitigem Aufbau der Hilfe für notleidende Menschen aller Rassen ein.

4.  Freiheit

Wir bekennen uns zur geistigen und politischen Freiheit, welche durch die von den atomaren Machtmitteln ausgehenden totalitären Wirkungen in ihrer innersten Substanz gefährdet wird.

Deshalb lehnen wir es ab, Werkzeuge oder Opfer kleiner militärisch-politischer Expertenkommissionen zu werden, die unter Umgehung der demokratischen Volksvertretungen Entscheidungen über Leben und Tod fällen wollen wollen. Wir treten für eine „offene Welt“ (Nils Bohr) ein.

5.  Wahrheitsliebe und Sachlichkeit

Wir bekennen uns zu dem in der freien Wissenschaft entwickelten Geist der unbedingten selbstkritischen Wahrheitliebe und Sachlichkeit, denn durch ihn sind die großen Leistungen der Forschung, die das Gesicht unserer Zeit prägen, erst möglich geworden.

Deshalb werden wir besonders dann, wenn internationale Krisen ausbrechen, versuchen, durch Propaganda und Entstellungen hindurch zu den Tatsachen selbst vorzudringen. Der Grundsatz der Wahrheitsliebe und Sachlichkeit muß uns in allen Auseinandersetzungen mit Freund oder Gegner Verpflichtung sein.

6.  Liebe und Vertrauen

Wir bekennen uns zu den Kraftquellen der Liebe und des Vertrauens als unentbehrlicher Voraussetzung jeder Verbesserung der internationalen Beziehungen.

Deshalb werden wir über den Kampf gegen die Haß und Mißtrauen säenden Atomwaffen hinaus nach Verwirklichung dieser ethischen Gebote streben.

7. Treue zur Menschheit

Wir bekennen, daß wir angesichts der Gefahr des atomaren Selbstmordes unserer Art die Treue zur Menschheit über die Treue zu einer Nation oder einer bestimmten ideologischen Gruppierung stellen müssen.

Deshalb werden wir uns weigern, in irgendeiner Form an Aufgaben mitzuarbeiten, die von uns als menschheitsgefährdend erkannt worden sind, und zwar auch dann, wenn wir dadurch in Konflikt mit den hinter der Entwicklung zurückgebliebenen Gesetzen unseres Landes geraten sollten.

Trotzdem 
Gewiß, das ist ein alter Text; aber das Bekenntnis und das E n g a g e m e n t , das in seinen Zeilen  festgehalten ist, ist nicht antiquiert. Die gegenwärtigen Negativ-Rekorde drängen sich übermächtig in unser aller Bewußtsein. 

Aktuelle Stichworte: Wahlkampfverrohung à la Trump - Klimawandel - Terrorismus - Welthunger - Manipulation durch digitale Medien u.a.m.  

Es erscheint mir sinnvoll, wenn wir uns gegen den Trend [als habe alles keinen Zweck, weil die Mächtigen doch machen würden, was sie wollten] ermutigen und vor allem jene anderen unterstützen, die nicht aufgeben wollen, für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen gegen Hasstiraden und Verwirrung der Gefühle, gegen Verdummung und Manipulation, gegen die nationalistischen Gespenster der Vergangheit.

 Beitrag Nr. 4 / 27.1.2017

„Doomsday Clock“ – es ist später, als wir gestern noch dachten.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/doomsday-clock-forscher-sehen-welt-2-5-minuten-vor-dem-untergang-a-1131973.html


Beitrag Nr. 3 / 20.1.2017

„Extra dry“ oder  echt betroffen?

Was Lieschen Müller und  Dr. Lieschen Müller  n i c h t  wissen wollen – wie ich vermute –  darüber versuche ich zu schreiben.

Ich behaupte, dass sie nicht wissen, was sie mit den folgenden Nachrichten anfangen sollen.  NB: ich weiß es auch nicht.  Ich lese Zeitungen oder Internet-News, vor allem Schlagzeilen ; denn  alles(!) kann ich nicht lesen. Natürlich nicht.  Ich habe zu tun. Manchmal entgeht mir deshalb etwas Wichtiges.  Wem geht das nicht ähnlich? Also, was ist jetzt?  Soll ich jetzt lieber abbrechen oder gibt mir der geduldige Leser noch eine kleine Chance auf Interesse?

Hier sind zwei Nachrichten, von denen ich oben sprach. Ich beginne mit einer Schlagzeile aus dem letzten Jahr (vom Januar 2016), um danach eine Neuigkeit von heute anzuhängen.


Gefunden in:  »Bulletin of the Atomic Scientists« (vom 26.1.2016 / 9:22 Uhr).

IT IS STILL 3 MINUTES TO MIDNIGHT

3 minutes to midnight

DoomsdayClock_black_3mins_regmark.jpg

• 2016  „Im vergangenen Jahr stellte  der Wissenschafts- und Sicherheitsrat die Weltuntergangsuhr auf drei Minuten vor Mitternacht und bemerkte dazu: ‚Die Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe ist sehr hoch, und die Maßnahmen, um das  Katastrophenrisiko zu verringern, müssten sehr bald ergriffen werden.‘ Das geschah nicht. Die Uhr tickt. Die globale Gefahr ist nicht gebannt. Kluge Führer sollten handeln – sofort.“

Originaltext: „Last year, the Science and Security Board moved the Doomsday Clock forward to three minutes to midnight, noting: ‚The probability of global catastrophe is very high, and the actions needed to reduce the risks of disaster must be taken very soon.‘ That probability has not been reduced. The Clock ticks. Global danger looms. Wise leaders should act—immediately.“
See the → full statement from the Science and Security Board on the 2016 time of the Doomsday Clock.

Gefunden in: http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-das-problem-mit-den-nuklear-codes-a-1130828.html (Zugriff am 20.1.2017 / 18:33 Uhr).

• 2017  SPIEGEL ONLINE: Im Wahlkampf haben Sie betont, welch große Angst Sie davor haben, dass → Donald Trump ins Weiße Haus einzieht. Sind Sie seit dessen Wahlsieg etwas weniger besorgt?

Nuclear-Experte Bruce Blair*:  Nein. Trumps Finger auf dem Atomkoffer macht mir Angst. Ich habe keinerlei Vertrauen in Trumps Urteilskraft, was Krieg und Frieden angeht. Er ist impulsiv. Er ist aggressiv, schlecht oder falsch informiert. Er weiß praktisch nichts über Atomwaffen oder internationale Beziehungen. Er ist ein Hitzkopf. Er denkt nicht. Er will nicht lernen. Und ganz wichtig: Er hat gezeigt, dass er die Welt in Gewinner und Verlierer einteilt. Ganz ehrlich: Ich lebe in Angst. Ich fürchte, irgendwann trifft Trump eine schlechte Entscheidung, was Atomwaffen angeht.

* Dr. Bruce Blair, Jahrgang 1947, ist Sicherheitsexperte und Fachmann für Nuklearfragen an der Universität Princeton. In den Siebzigerjahren kontrollierte Blair für die US-Armee das Prozedere für den möglichen Abschuss von Atomwaffen. Sein Job war es, den Weg von Befehl des Präsidenten bis zum Start der Raketen virtuell durchzuspielen und zu gewährleisten, dass im Ernstfall sämtliche Prozesse reibungslos verlaufen. Seit seiner Arbeit für die US-Armee gehört Blair zu den führenden nuklearpolitischen Kritikern in den USA. Im Wahlkampf trat er in einem Video von Hillary Clinton auf und warnte eindringlich vor der Wahl Donald Trumps.

 


Hier zwei Antworten (oder Gründe), warum wir bestimmte (z.B. die eben zitierten Nachrichten)  n i c h t  wissen wollen: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Aber auch: „Was ich nicht kann, geht mich nichts an.“ ¹

¹ Zitat aus Günther Anders: „Über die Bombe und die Wurzeln unserer Apokalyse-Blindheit“, in: Die Antiquiertheit des Menschen. München: 1956 (C.H.Beck-Verlag), S. 284

Trotzdem 
Es gibt(berechtigte) Angst, ob Manager und Politiker, also unsere Entscheidungsträger die riesigen Aufgaben der Zukunft bewältigen können, ob sie die wichtigsten Aufgaben überhaupt im Blick haben. 

Es gibt Menschen, die Orientierungshelfer sein können. Ich meine diejenigen, die nicht resignieren, wenn sie schlimme Nachrichten hören, wenn Nachrichten ihnen Angst machen. Dazu gehören Menschen, die nach einem bekannten Luther-Wort das → "Apfelbäumchen pflanzen" - heute. 


Beitrag Nr. 2 / 17.1.2017

Trump – exklusiv in BILD.

BILD sagt, wie er ist, wie er denkt, wie er redet: Donald „the Greatest“. Wer weiss das noch nicht, noch immer nicht? Wer will das noch wissen?  Er mag  Stärke und Ordnung.  Aber welche?  Das Leben hat viele andere Qualitäten. Das vergessen wir leicht, wenn Worte uns mit Riesen-Schlagzeilen anspringen und Macht demonstrieren. Aber auch Machtworte von einem Milliardär sind nur >Worte<, hinter denen ein Mensch wie  Donald Trump viel verstecken kann, z.B. wie verletzlich er ist. Warum ist dieser Mensch so gnadenlos unversöhnlich?  Warum plustert er sich so auf? Warum unterstützen ihn so viele „Christen“?

Was BILD nicht „exclusiv“ sagt, druckt, verbreitet, ist eine „vergessene Parole“, an die uns ein anderer erinnern kann: Robert Jungk, der leider nicht mehr lebt. Er versuchte, für eine „Gegenkultur“ zu werben,  die menschliche Wärme, gegenseitige Hilfe, Brüderlichkeit und Solidarität einsetzt, um die Probleme unserer Zukunft zu lösen.

Gefunden in:  Hans Jürgen Schultz (Hg.), Brüderlichkeit. Die vergessene Parole. Stuttgart: 1976 (DVA), vgl. Seite 181ff.

Robert Jungk: Wer es heutzutage unternimmt, von einer »Vison der Brüderlichkeit« zu sprechen, muß damit rechen, daß seine Vorstellungen als völlig wirklichkeitsfremd abgetan werden. In der Tat: alle realistischen Prognosen, also solche, die, von der vorhandenen Wirklichkeit ausgehend, die am stärksten hervortretenden Züge der Gegenwart in die Zukunft hinein verlängern, können gar nicht anders, als »Visionen der Feindschaft« zu entwickeln:

Feindschaft – verursacht durch die zunehmende Verknappung der globalen Ressourcen bei zunehmender Weltbevölkerung.

Feindschaft – genährt vom Widerstand der Benachteiligten und Unterdrückten einerseits sowie der entsprechend verstärkten Repression der Bevorrechtigten andererseits.

Feindschaft – die das fast unvermeidliche Resultat jahrhundertelanger Verschwendung und Ungerechtigkeit ist.

[…]

Als Besonderheit des Wesens Mensch wird seine Fähigkeit gesehen, gefährliche Situationen zu erkennen und schöpferisch auf sie zu reagieren, indem bisherige Ziele und Verhaltensweisen als irreführend, ja gefährlich wahrgenommen werden.

Trotzdem 
Es gibt nicht nur die "große Welt", die Welt der Rekorde, der Superlative, der Extremisten, der Globalisierung, wo wir nur Zuschauer sein können. Es gibt auch "kleine Welten" (Inseln im Meer der bösen Worte und Taten), für die wir  uns engagieren können. Die Robert-Jungk-Bibliothek-für-Zukunftsfragen ist so eine Insel.

Beitrag Nr. 1 / 13.1.2017

Quelle :  Rheinische Post Nr. 45 ( 22.2.1958)

Japan – heute [1958]

Ein Reisebericht von Robert Jungk * (1913-1994)

„Die Zukunft hat schon begonnen“ (1952) hieß das erste Aufsehen erregende Buch Robert Jungks. Andere folgten. Eines davon behandelt Japan, sein Titel: „Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt“ (1958).

S t i c h w o r t  :  Der amerikanische Lebensstil

Zitat:  „Ein westlicher Psychiater […] stellte fest, dass sie [die Japaner] mit den »USA« nicht […] Begriffe wie die schließlich aus Amerika importierte  »Freiheit« und »Demokratie« assozierten, sondern »gun« (37%), »gangster» (21%) und … »icebox« (17%), also Schießeisen, Verbrecher und Eisbecher.

Dass dieses Zerrbild Amerikas durch den Film (an erster Stelle Wildwester),  die Massenmagazine, das Radio und das Fernsehen (bevorzugte Einfuhrware »crime shows«) verbreitet wurde, steht außer Zweifel.

Japan steht […] seit Kriegsende seelisch unter einem Regime, das ich die »Herrschaft der Schatten« nennen möchte und dem die prominenten Phantome der Massenunterhaltungskultur mehr Realität zu besitzen scheinen als die wirklichen Machthaber …

Aktuelle Anmerkung (2017)
Ich frage mich :  Wie geht es uns heute (ca. 60 Jahre später)?  Woran denken wir, wenn wir „USA“ sagen?  Welche Worte fallen uns ein?  Und welche Bilder werden lebendig, wenn wir unsere Kinder von „Amerika“ schwärmen hören?

Bodo Rahn

LINKS
https://jungk-bibliothek.org/category/in-memoriam-robert-jungk/
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Freiherr-vom-Stein Straße 44, 72116 Mössingen